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StartseiteGeothermieGeothermie-Projekt St. Gallen (SG)

Geothermie-Projekt St. Gallen

Das Projekt von St. Gallen galt als eines der vielversprechendsten hydrothermalen Geothermieprojekte der Schweiz. Aufgrund der zu geringen Wasserförderrate und der angetroffenen Gasführung konnte das ursprüngliche Betriebskonzept nicht umgesetzt werden. Das Projekt ist hier chronologisch zusammengefasst.

Die Initialzündung erfolgte 2007 mit dem „Energiekonzept 2050“. Hierbei soll einerseits der Gesamtenergieverbrauch gesenkt werden, andererseits sollen die erneuerbaren Energien verstärkt genutzt werden. Eine Option war die Realisierung eines geothermischen Kraftwerks. Allerdings müssen dafür die geologischen Faktoren stimmen. In weiten Teilen der Schweiz ist über den tieferen Untergrund nicht viel bekannt. So war auch in St. Gallen vieles unklar. Eine im März 2009 präsentierte Machbarkeitsstudie ging davon aus, dass in rund 4'100 m Tiefe Jurakalkschichten vorkommen, welche in Klüften und Hohlräumen bis zu 170 °C heisses Wasser enthalten können. Um die Lücken über die Datenbasis des tieferen Untergrundes zu schliessen, wurde von November 2009 bis April 2010 eine 3D-Seismik-Kampagne in Auftrag gegeben. Ergänzend dazu wurden im Sommer 2010 Gravimetrie-Messungen durchgeführt. Die Kombination aus etablierten und sehr neuen Explorationsmethoden ermöglicht die Evaluation eines optimalen Standortes für ein geothermisches Kraftwerk. Als bisheriges Ergebnis der Voruntersuchungen soll ein Geothermie-Kraftwerk für Wärme- und Stromproduktion in der Au im Westen der Stadt St. Gallen gebaut werden.

Seismische Messfahrzeuge im Kanton St. Gallen (Bildquelle: Stadt St.Gallen)

Doch was sagt das Volk zu dem doch sehr langfristigen und kostenintensiven Vorhaben? Am 28. November 2010 haben die Stimmbürger der Stadt St. Gallen mit überwältigender Mehrheit das Geothermieprojekt für gut geheissen. Mit über 80 Prozent wurde für den benötigten Kredit von 159 Millionen Franken gestimmt. Damit konnte im Frühjahr 2011 mit den Vorbereitungsarbeiten für die erste Bohrung begonnen werden.

2012 hat der Schweizerische Erdbebendienst (SED) im Rahmen des Forschungsprojektes GEOBEST ein seismisches Überwachungsnetz aufgebaut. Gleichzeitig wurde damit begonnen, die Tiefbohranlage "Rig-23" im Bereich des zukünftigen geothermischen Kraftwerks aufzubauen.

Die Tiefbohrung vollzog sich in 4 Phasen über etwa drei Monate. Im Juli 2013 wurde die Stimulationsphase zur Reinigung des Gesteinsreservoirs in 4000 m Tiefe begonnen. Die seismische Aktivität hatte am Anfang dieser Phase zugenommen und erreichte einen Höhepunkt am 20. Juli, als eine Erschütterung mit der Stärke 3.5 auf der Richterskale registriert wurde. Die seismische Aktivität hat seit diesem Datum stark abgenommen. Die Mikrobeben, die weiter vom SED beobachtet wurden, lagen im Rahmen des Erwarteten.

Zwischen dem 15. Oktober und 2. November 2013 fanden die Gas-Wasser Produktionstests statt. Die ersten Resultate zur Wasser-Produktivität waren zuerst erfreulich, die erwartete Wassertemperatur von 140° C in 4000 m Tiefe wurde leicht übertroffen. Am 13. Februar wurden die Ergebnisse der Produktionstests vorgestellt. Leider stellte die zu geringe Wasserförderrate sowie die Gasführung das Betriebskonzept in Frage. Mit weiteren Abklärungen sollten die folgenden drei Möglichkeiten getestet werden:

Am 14. Mai 2014 teilten die St. Galler Projektverantwortlichen mit, dass sie auf die Realisation einer weiteren Bohrung verzichten. Ebenfalls verzichtet wird, aufgrund der hohen Investitionskosten und geringen Effizienz, auf den Einbau einer Tiefen-Erdwärmesonde. Die Nutzungen einer Singlette bleibt als Option weiterhin bestehen.

Im Herbst 2014 wurden Gas-Wasser-Produktionstests durchgeführt. Das Gas stammt wahrscheinlich aus dem tieferliegenden Permokarbon. Die Qualität des Gases beträgt mit einem Methangehalt von über 92 Prozent einen hohen Reinheitsgrad und könnte somit ohne grossen Aufbereitungsaufwand direkt ins Gasnetz eingespeist werden. Abklärungen zur Finanzierung sind weiterhin im Gange.

Im Februar 2015 hat der St. Galler Stadtrat entschieden, dass das Bohrloch bis auf weiteres im aktuellen  Zustand verbleibt. Abklärungen zur potenziellen Gasnutzung laufen.

Aktuelle Informationen zum Geothermie-Kraftwerk St. Gallen können unter www.geothermie.stadt.sg.ch/ nachgelesen werden.

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